Sonntag, 2. Oktober 2011

Auch wir wollen nicht versäumen, Ihm zu gratulieren.

Seinen Künstlernamen verdankt Sting einem gelb-schwarz-gestreiften Pullover. Sein Instinkt, komplexe Songs mit Hit-Potenzial zu schreiben, bescherte ihm eine Weltkarriere. Heute wird der Ex-Police-Sänger 60.  (Quelle Focus)

Auf seinen echten Ritterschlag muss Sting weiter warten. Viele seiner Fans hatten in diesem Jahr insgeheim mit der höchsten Auszeichnung des britischen Königshauses durch Queen Elizabeth gerechnet. Immerhin war er ja schon im Sommer 2003 zum „Commander Of The British Empire“ (CBE) ernannt worden. Doch sein vollständiger Name Gordon Matthew Thomas Sumner fehlte dann doch auf der immerhin 965 Köpfe zählenden Ehrenliste, die das Königshaus am offiziellen Geburtstag der Monarchin in diesem Juni veröffentlichte. Allen musikalischen Erfolgen und sozialen Engagements zum Trotz. Und ungeachtet seines 60. Geburtstages am 2. Oktober.

Auf seinen musikalischen Ritterschlag ist der charismatische Ex-Frontmann von The Police dagegen schon seit nunmehr neun Jahren stolz. 2002 nahm sich Country-Legende Johnny Cash seiner Mörderballade „Hung My Head“ an, und veredelte diesen eher unscheinbaren Song vom 1996er-Album „Mercury Falling“ auf derart unnachahmliche Weise, dass ihn Sting, von jeher ein musikalischer Quer- aber auch Breitdenker, seitdem ebenfalls im Westernstil zum Besten gibt – mit Mundharmonika. In mehreren Konzertkritiken von seiner letztjährigen „Symphonicities“-Tour liest man übrigens immer wieder, der „Englishman In New York“ habe Johnny Cash gecovert – und nicht umgekehrt.

„Gordon´s Got A Sting“

Diese kleine Anekdote hat weitaus mehr zu sagen, als dass es „Hung My Head“ in seiner ursprünglichen (und daher auch langweiligen) Version auf das Geburtstagsgeschenk der Plattenfirma Universal, das umfangreiche Boxset „Sting: 25 Years“, geschafft hat. Vielmehr zeigt die Adaption von Johnny Cash auf eindrucksvolle Weise, dass Stings Lieder oft viel mehr Potenzial haben, als man beim ersten Hördurchgang vermutet. Und genau dies unterstreicht mit Blick auf seine ohnehin schon beachtliche Auswahl an Welthits letztlich die Ausnahmestellung des britischen Sängers, Bassisten und Schauspielers.
Die Anekdote, wie Gordon Sumner seinen Spitz- respektive Künstlernamen erhielt, ist zwar hinreichend bekannt, aber derart liebenswert, dass sie immer wieder erzählenswert ist. Vor seiner Karriere als Profimusiker spielte Sumner, der sich als Bauarbeiter und Englischlehrer mehr schlecht denn recht durchs Leben schlug, in seiner Freizeit in mehreren Jazz-Gruppen seiner Geburtsstadt Newcastle. Bei einer Probe erschien er eines Tages in einem gelb-schwarz-gestreiften Wespen-Pullover. „Gordon´s Got A Sting“, rief einer seiner Mitstreiter. Aus Gordon Sumner wurde Sting und zum Ende der Dekade mit der Band The Police ein Weltstar.
 
Dabei war der Weg zum Weltruhm für das 1977 gegründete Trio extrem steinig. Selbst mit einem Song wie „Roxanne“ im Repertoire konnten Sting, Gitarrist Andy Summers und Schlagzeuger Stewart Copeland auf der vom Punk dominierten Insel nicht durchstarten. Das Trio ging schließlich in die USA, spielte in kleinsten Clubs, fuhr im Van von Auftritt zu Auftritt und baute die Instrumente selbst auf und ab. Das schweißte die Band zusammen.

1978 erschien „Outlandos D´Amour“ mit „Roxanne“ und „So Lonely“, The Police füllten in Großbritannien mittlere Hallen. Mit dem zweiten im Oktober 1979 folgenden Album „Regatta de Blanc“ gab es aber kein Halten mehr: Hits wie „Message In A Bottle“ und „Walking On The Moon“ katapultierten The Police in den Rock-Olymp. Vier weitere Alben folgten bis 1983, dann ging das Trio zutiefst zerstritten auseinander. In den Charts war in dem Jahr „Every Breath You Take“ lange Wochen überall in der Welt ganz oben.

Sting schauspielerte und bereitete seine Solokarriere vor. Das jazzige „The Dream Of The Blue Turtle“ erschien 1985. Police-frei, eingespielt mit der damals jungen schwarzen US-Jazzgarde um Branford Marsalis und Darryl Jones. Stings Instinkt, komplexe Songs mit Hit-Potenzial zu schreiben, bescherte ihm Erfolge wie „If You Love Somebody Set Them Free“, „Englishman In New York“ und „Fragile“. Die beiden letzteren waren auf dem zweiten Album „Nothing But The Sun“. Mit dem gegen die Militärdiktaturen in Chile und Argentinien gerichteten „They Dance Alone“ begann Stings Engagement für Menschenrechte. Zusammen mit Bruce Springsteen und Peter Gabriel trat er bei Benefizkonzerten zugunsten von Amnesty International auf. 1987 gründete er mit seiner Lebensgefährtin Trudie Styler und dem Häuptling der Kayapo-Indianer Raoni eine Regenwaldstiftung.

Keine Hits mehr fürs Radio

1989 nahm Sting sich eine Auszeit vom Rockzirkus und spielte am Broadway in Brechts „Dreigroschenoper“ den Macbeath. Eine Schreibblockade überwand er 1991 mit dem dunklen Album „The Soul Cages“, das mit „All This Time“ dennoch wieder einen großen Hit generierte. 1992 heiratete er Styler, mit der er vier Kinder hat. Aus seiner ersten Ehe hat er zwei weitere Kinder. Den größten Erfolg seiner Solokarriere feierte er 1993 mit dem Album „Ten Summoner´s Tales“. Kommerziell überbot er dieses erfolgreiche Jahr noch mit der Drei-Musketiere-Ballade „All For One“ zusammen mit Bryan Adams und Rod Stewart.

Danach legte Sting es nicht mehr unbedingt darauf an, Hits für das Popradio zu schreiben. „Mercury Falling“ erschien 1995, „Brand New Day“ kam zur Jahrtausendwende und generierte mit dem Titelsong und „Desert Rose“ Lieder, die herausragten. 2003 folgte „Sacred Love“. Mit „Songs From The Labyrinth“, „If On A Winter´s Night“ und „Symphonicity“ folgten Ausflüge in die Klassik, besonders die Orchestertournee verlief äußerst erfolgreich. Übertroffen wurde diese freilich von der Police-Reunion-Tournee 2007/2008, die mehr als 120 Millionen Euro eingespielt haben soll. Eine weitere werde es nicht geben, sagte er kürzlich: „Ich denke, es wird nie wieder notwendig sein, es noch einmal zu machen.“

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