Donnerstag, 19. September 2013

R.I.P. Marcel Reich-Ranicki

Scharfzüngig waren seine Urteile, kritisch und  einfach unverwechselbar die Art, wie er sie vorbrachte. Ich habe ihn verehrt und er wird fehlen!
Angie Ling

Die Allgemeine Zeitung Mainz fand die richtigen Worte:

" Der Literaturpapst Kommentar zu Marcel Reich-Ranicki"

18.09.2013 - 19:32 Uhr, Allgemeine Zeitung Mainz
Mainz (ots) - Nett ist er nie gewesen. Wollte er auch nicht. Nett zu sein, davon war er felsenfest überzeugt, sei nicht die Aufgabe der Kritik. Im stillen Kämmerlein würde fast jeder Feuilletonist diesen Satz unterschreiben. Aber den Mut, sich konsequent daran zu halten, haben die wenigsten. Marcel Reich-Ranicki, der größte unter den großen Literaturkritikern der Republik, hatte diesen Mut: den Mut zum klaren Urteil, den Mut, sich gegen die verbreiteten Trends im Literaturzirkus zu stellen. Doch es ging ihm nicht ums Auffallen, ums Besonders-Sein. Er wollte der guten Literatur zum Erfolg verhelfen - und vor schlechten Büchern warnen. Die Autoren hassten ihn zeitweilig dafür. Dass sie ihn als "Literatur-Papst" titulierten, war denn auch keineswegs als Lob gemeint - in der Bezeichnung schwangen eher Bedeutungen wie Amtsanmaßung, gar Amtsmissbrauch mit. Doch was hieß da "Amt": Niemand hatte ihn in ein Amt befördert. Die Aufmerksamkeit brachte ihm das Publikum freiwillig entgegen - für sein Temperament, für die Klarheit seiner gedruckten Kritiken, später für die Deutlichkeit seiner Diskussionsbeiträge im Fernsehen. Viele Berufskollegen belegten sein Tun daraufhin sauertöpfisch mit dem Attribut "populistisch" - als sei Gelesen- und Gehört-Werden im Kritiker-Gewerbe etwas nachgerade Unerhörtes. Durch Marcel Reich-Ranicki verließ die Literaturkritik die Gelehrtenstube und erreichte, um ein Wort aus Brechts "Galilei" zu variieren, für kurze Zeit "die Marktplätze". Eine goldene Zeit. Dafür darf sich die Zunft jetzt ruhig vor ihm verbeugen. Auch wenn er das gar nicht mochte: das Verbeugen.
Den vollständigen Artikel lesen Sie im Presseportal unter:
http://presseportal.de/meldung/2559229

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